Im Jahre 1520 konnte die Schmidenzunft, zu Reichtum gelangt und auf der Höhe der Macht
des Zunftstaates, einen grossen gotischen Saal im 2. Stock bauen. Neben den Fenster-
pfeilern und Säulen verdient die berühmte Saaldecke im heutigen Saalteil gegen die
Stüssihofstatt hin eine besondere Aufmerksamkeit.
Die Decke ist in Felder geteilt, zwischen
welchen wunderhübsche in Holz
geschnitzte Rosetten angebracht sind.
Diese Rosetten stellen groteske Figuren
der Schedelschen Weltchronik dar
(Nürnberg 1493). Ohne Belege zu haben,
vermutet man, dass die Decke damals
von den Scherern und Badern gestiftet
wurde. Zahlreiche skurrile Gestalten sind
dargestellt: Mensch mit Kranichhals und
Schnabel, Einfüssler, Acephalus (Mensch
ohne Kopf), Mensch mit Pferdefüssen,
Mensch mit langen Ohren etc. In einem
Halbmedaillon stellte sich der Schnitzer,
ein gewisser H. Küng aus Rapperswil,
selbst dar. Die Zunft zur Schmiden
musste damals der Zunft zur Zimmer-
leuten eine saftige Busse bezahlen, da
der beauftragte Schnitzer als auswärtiger
Handwerker auf Stadtgebiet arbeitete.

Zur Zeit des Saalbaus befanden sich
lediglich 60 Zünfter auf der Zunftliste.
Möglicherweise dezimierte das
vorangegangene Pestjahr (1519) und
auch die Mailänderfeldzüge die
Mitgliederzahl.
 

Am 7. Mai 1548 konnte die Schmidenzunft endlich auch das Fundament des Zunfthauses
mitsamt dem Keller, der mittlerweile bereits mehrere Male den Besitzer gewechselt hatte,
erwerben. Damals wurde dieser Hausteil auch immer bewohnt (4 Familien mit 26 Personen).

Regimentsspiegel und Schlaguhr
Rund 100 Jahre später, also im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden zahlreiche bemerkens-
werte Gegenstände und Dekorationen im Zunftsaal angebracht. Das Barockbuffet stammt
ungefähr von 1650. 1656 entstand der Regimentsspiegel, welcher damals von Zünfter Johann
Heinrich Waser gestiftet wurde. Diese Wappentafel wurde vom Zünfter Hans Heinrich
Schwitzer (Schwyzer) gemalt und enthält auf einer Spirale die Wappen und die Daten von
Bürgermeistern, Zunftmeistern, Räten, Ratsherren und Zwölfer bis hin zur Französischen
  Revolution. Die Flügeltüren des Regimentsspiegels wurden damals nur bei
Zunftanlässen geöffnet. Eine Tradition, die
auch heute noch Gültigkeit hat. Aus der
gleichen Epoche (1673) stammt die
Schlaguhr, welche von einem Schlagwerk
mit Zunftmeister und Tod gekrönt ist.
Ursprünglich reichte das Uhrgewicht in
einem Uhrenkasten bis in den Keller
hinunter.


Ausverkauf, Explosionen und Vandalen
Da sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Einnahmen aller Zünfte aufgrund der
schwindenden politischen und wirtschaftlichen Bedeutung drastisch reduzierten, musste die
Zunft zur Schmiden 1775 das Silbergeschirr und auch Glasmalereien verkaufen. Zur Zeit der
Französischen oder auch Helvetischen Revolution (1798) gelang es aber, das Haus "Zum
goldenen Horn" zu halten und nicht den Franzosen, den "Befreiern unseres Landes"
abzutreten. 1799 quartierten die Franzosen ihre Regimentsschneiderei im Zunfthaus ein. Nur
Dank dem resoluten Verhalten der damaligen Hausverwalterin konnten grössere Schäden am
Zunfthaus vermieden werden. 1802 hausten dann aber die Schuhmacher der Helvetischen
Linieninfanterie im Zunfthaus, wobei die Räume, unter anderem durch die Explosion einer
Haubitzengranate verwüstet und in "schandbarem" Zustand hinterlassen wurden. Immerhin,
die Schmidenzünfter brachten es fertig, das Haus nicht zu verkaufen.


Renovationen und Erweiterungen
1856 konnte das neue Gaslicht eingebaut und der Zunftsaal mit der hinteren Stube verbunden
werden. Im vergrösserten Zunftsaal wurde 1875 die "Johannisnacht", ein von Gottfried Keller
geschriebenes, dramatisches Gedicht zur Weihe eines prächtigen Bechers in der Form eines
Pokals mit der Figur des Pannerherr Schwyzer, uraufgeführt.

1881-1882 wurde die Saaldecke um 1,5 Meter angehoben, die Rundbogen über den
Fenstern platziert und über dem Zunftsaal eine Wirtewohnung eingebaut. Das Haus hatte
somit in jener Zeit das heutige Bauvolumen erhalten. 1893 wurde das elektrische Licht
installiert und der Leuchter im kleineren Teil des Saals montiert. Ein Jahr später erfolgte die
Montage des grossen schmiedeisernen Leuchters im grösseren Teil des Saals. Während
einer längeren Umbauphase vergrösserten die Zünfter 1900/1901 den Saal um fast die
Hälfte, indem verschiedene Nebenräume integriert wurden. Die Unterteilung des Zunftsaals in
zwei Saalhälften übernahm eine Senkungs- und Hebekonstruktion. Mit dieser von Hand
betriebenen Mechanik wird noch heute die massive Holzwand von der Decke herunter-
gelassen oder hochgezogen.

In den Jahren 1935, 1962, 1969 und 1979 erfolgten verschiedene Umbauten und
Anpassungen, ohne die Struktur des Zunfthauses zu tangieren.